Ortswappen Holtershausen
Höhe: 228m ü. NN
Einwohner: 53 (2025)
Postleitzahl: 37574
Vorwahl: 05561

Holtershausen

Holtershausen ist ein kleines Dorf und eine Ortschaft der Stadt Einbeck im Landkreis Northeim mit knapp 60 Einwohnern. Das Dorf umfasst 18 Wohnhäuser. Der Ortsname geht auf die historische Bezeichnung Haholdeshusen zurück.

Geographische Lage

Holtershausen liegt zwischen den Höhenzügen Selter im Norden, Hube im Süden und Hils im Westen. Der Ort ist über die Bundesstraßen B 3 und B 64 erreichbar. Das kleine Dorf liegt in einem Tal am Hang des Lietbergs, einem Teil des Höhenzuges Hube, auf etwa 230 m über Normalhöhennull.

Geschichte

Holtershausen wurde erstmals unter dem Namen Haholdeshusen erwähnt. Bereits im 9. Jahrhundert soll hier ein sächsischer Edelhof gleichen Namens bestanden haben, der früher fälschlicherweise als Ursprung von Bad Arolsen angesehen wurde. Am 29. Juni 1148 erscheint Haholdeshusen erneut in einer Urkunde des Gandersheimer Stifts. Graf Hermann II. von Winzenburg tauschte damals 14 Hufen Land, unter anderem in Haholdeshusen und Brunessen (Brunsen), gegen die Burg Schildberg bei Seesen. Als Zeugen werden Hahold de Ruden und Hahold de Burnham genannt. Der Ortsname deutet auf eine frühe Siedlung oder einen Besitz der Haholde hin. Noch im 15. Jahrhundert ist eine Familie von Holdeshusen urkundlich nachweisbar, deren Name vermutlich auf den Ort zurückgeht.

Unweit von Holtershausen befand sich im Flurstück „In der Mönchelieth“ ein Wirtschaftshof des Zisterzienserklosters Amelungsborn, der als Abtshof bekannt war. Seine Ursprünge werden mit der Wüstung Winenvelde in Verbindung gebracht. Im Jahr 1385 erwarben Mönche des Augustinerklosters zu Einbeck zwei Hufen Land bei einem kleinen Hof und einem Sattelhof nebst Steinwerk (wehrhafter Speicherbau) in Holtershausen. Von diesem einst bedeutenden Steinwerk sind heute nur noch Mauerreste erhalten. Am 24. August 1421 erhielten die Augustiner-Mönche von Hans von Minnigerode mit Zustimmung Herzog Erichs von Grubenhagen den Abtshof zu Lehen; 1436 wurde er ihnen geschenkt. In den folgenden Jahrzehnten gelangte das Dorf nach und nach durch Verkäufe an das Einbecker Augustinerkloster und befand sich 1508 vollständig in dessen Besitz. Flurnamen wie Mönchelieth, Mönchsbreite und Möncheholz erinnern bis heute an diese Vergangenheit.

1543 kam es zu einem umfangreichen Rechtsstreit zwischen Herzog Philipp I. und Burchard von Salder um Holtershausen, den ehemaligen Abtshof und dessen Zubehör. Das Erbregister des Amtes Greene verzeichnete 1548 drei Hofstellen im Dorf: zwei Ackerleute und einen Halbspänner.

Eine besondere Bedeutung erlangte Holtershausen während des Siebenjährigen Krieges. Vom 5. bis 9. November 1761 kam es in der Feldmark und auf den angrenzenden Höhenzügen zu heftigen Kampfhandlungen zwischen alliierten Truppen und der französischen Armee. Das Ereignis ist regional als „Schlacht an der Hube“ bekannt. Die alliierten Truppen unter Führung des Erbprinzen Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig griffen die französischen Stellungen an, die das Gebiet südlich von Holtershausen und die Übergänge über die Hube sicherten. Nach dem Hauptangriff am 5. November und weiteren Gefechten in den folgenden Tagen zogen sich die französischen Truppen schließlich zurück. Der Erbprinz bezog während der Operationen ein Biwak bei Holtershausen.

Zwei historische Militärkarten ermöglichen heute eine genauere Rekonstruktion dieser Ereignisse. Neben dem im Stadtarchiv Einbeck aufbewahrten Plan Plan de l’Attaque le 5me de Novbr. 1761 de la Hube ist insbesondere eine Karte aus der Royal Collection in Windsor von Bedeutung. Sie dokumentiert die Bewegungen der alliierten Armee während der Expedition nach Einbeck im November 1761 und zeigt Truppenaufstellungen im Umfeld Holtershausens. Nach den Kämpfen wurde am östlichen Ortsrand ein Begräbnisfeld für gefallene Soldaten angelegt, das bis etwa 1900 bestand. Der damalige Pfarrer Johann Georg Keidel, der für Brunsen, Stroit und Holtershausen zuständig war, hielt in seinen Aufzeichnungen die Auswirkungen des Krieges auf die Region fest.

Auch der Ortsname entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte: Von Haholdeshusen über Holdeshusen und Holdershusen setzte sich die heutige Schreibweise Holtershausen ab dem frühen 18. Jahrhundert durch.

Holtershausen war die zweitkleinste selbständige Gemeinde im Herzogtum Braunschweig.

Bis 1959 bestand das Dorf lediglich aus sieben Wohnhäusern. In den folgenden Jahrzehnten kamen weitere Wohnhäuser, ein Aussiedlerhof und ein Dorfgemeinschaftshaus hinzu.

Bereits 1962 war die Gemeinde der Samtgemeinde Auf dem Berge beigetreten. Am 1. März 1974 wurde Holtershausen im Zuge der niedersächsischen Gebietsreform in die Stadt Einbeck eingemeindet und gehört seitdem zum Landkreis Northeim.

Einwohnerentwicklung
Jahr Einwohner
155224
177449
179944
182342
185875
188553
191036
192551
193954
1946126
195569
196153
197071
197357
199575
200566
201563
202063
202655
Wappen

Blasonierung: Im geteilten Schild oben in Blau drei silberne Mönche nebeneinander, unten in Gold ein fast bis zur Schildmitte hochgezogener blauer Dreiberg, belegt mit einem aus Feldsteinen gemauerten silbernen Ziehbrunnen einschließlich Eimer, der aus dem Schildfuß wächst.

Das im Jahr 2000 eingeführte Wappen verweist auf den Einfluss der Augustiner-Mönche, deren Wirken in Holtershausen von 1385 bis 1537 belegt ist. Der als Dreiberg dargestellte Berg ist das gemeinsame Zeichen der Dörfer „Auf dem Berge“. Die Farben erinnern an die frühere Zugehörigkeit zum Herzogtum Braunschweig. Der Ziehbrunnen steht für einen mittelalterlichen Brunnen, der 1991 bei Kanalbauarbeiten in der Dorfstraße in vollständig erhaltenem Zustand wiederentdeckt wurde.

Kultur und Sehenswürdigkeiten
  • Vereinsleben und Dorfgemeinschaft: Von etwa 1850 bis 2004 gab es eine Gastwirtschaft in Holtershausen. Die Freiwillige Feuerwehr wurde 1955 gegründet und fusionierte 2020 mit den Feuerwehren Andershausen und Kuventhal zur Feuerwehr An der Hube. Der 2006 gegründete Kultur- und Heimatverein Holtershausen e. V. ist ein weiterer wichtiger Träger des örtlichen Gemeinschaftslebens. Das Dorfgemeinschaftshaus und der Dorf- und Grillplatz in der Ortsmitte dienen als Veranstaltungsorte.
  • Die Mönchelieth mit Holzkreuz: Oberhalb des Dorfes beginnt auf dem bis zu 287,7 m hohen Lietberg die Mönchelieth. Ihre historische Ausdehnung ist im Greener Erbregister von 1548 beschrieben und erstreckte sich über ein sehr großes Gebiet. Heute erinnert eine Schautafel an die Geschichte der Mönchelieth. Ein großes Holzkreuz prägt den Platz, an dem regelmäßig Gottesdienste stattfinden. Vom Lietberg bietet sich ein weiter Blick über die Umgebung.
  • Reste eines historischen Steinwerkes: In der Ortsmitte, im Bereich des Spielplatzes, befinden sich mutmaßliche Reste eines historischen Steinwerkes, das im Zusammenhang mit den ehemaligen beiden Höfen der Augustiner bereits 1385 urkundlich erwähnt wurde. Eine Informationstafel erläutert die Geschichte und die frühere Funktion des Bauwerkes.
  • Stein der Erinnerung: Seit September 2024 erinnert ein Gedenkstein in der Ortsmitte an die verstorbenen Einwohner Holtershausens. Er befindet sich an der Straße in Richtung B 64. Das ehemalige Begräbnisfeld am östlichen Ortsrand wurde um 1900 aufgegeben.
  • Scheunenwand und Trafoturm mit historischen Motiven: Anlässlich des Jubiläums zur 875-jährigen Ersterwähnung im Jahr 1148 wurde am 1. und 2. Juli 2023 ein Dorffest veranstaltet. In diesem Zusammenhang erhielt eine Scheunenwand in der Ortsmitte eine Gestaltung mit historischen Ortsmotiven. Auch der Trafoturm von 1923 am Ortseingang wurde mit historischen Ansichten versehen.
  • Hirschsprung: Im Greener Wald zwischen Holtershausen und Greene befindet sich der Hirschsprung-Gedenkstein. Er erinnert an ein besonderes Ereignis während einer herzoglichen Jagd im Jahr 1606.
Sagen und Legenden

Holtershausen ist mit einer Sage verbunden, die bis nach Hameln im Weserbergland führt. In dem 1854 erschienenen Buch Niedersächsische Sagen und Märchen von Georg Schambach und Wilhelm Konrad Hermann Müller wird von einem Bauern aus Holtershausen berichtet, den ein Traum auf die Hamelner Brücke führt und ihm dadurch einen Schatz auf der Mönchelieth erschließt. Ein historischer Kern dieser Erzählung lässt sich für das Jahr 1793 urkundlich belegen.

Stand: 10/2026

Mehr Informationen: www.holtershausen.de